Ein Blick zurück in die vergangenen Jahrhunderte zeigt heute einem Apotheker oder Mediziner mit Deutlichkeit auf, dass sich sein Berufsbild völlig gewandelt hat. Damals wurde Krankheit als ein von Gott, den Göttern oder Dämonen verursachter Seinszustand betrachtet, der folgerichtig mit Hilfe des Glaubens, der Magie oder Exorzismus zu „behandeln“ war.
Von dieser Ansicht ist in der modernen Pharmazie und Medizin nicht ein Gran mehr übrig geblieben, denn dank unseres Wissens über die Ursachen lassen sich Krankheiten heute schon in vielen Fällen bis auf die exakten molekularen Zusammenhänge richtig erklären.
Richtig? Bei diesem Wort werden die einen oder anderen von Ihnen stutzen, denn möglicherweise misstrauen Sie der chemischen Arznei und der technisierten Medizin und wünschen sich eine menschlichere zurück. Doch „was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden (Dürrenmatt)“,  und so bleibt uns heute nur das Wundern und Staunen über vergangene Anschauung übrig, die glücklicherweise in vielen Kunstwerken festgehalten wurden, die wir heute nun noch bewundern und bestaunen können.
Im Jahr 2009 wollen wir Ihnen in einem kleinen Zyklus jeden Monat ein solches Exponat mit pharmazeutisch-medizinischem Hintergrund  vorstellen, in dem Sie erkennen können, dass im Grunde die Sorgen und Leiden der Menschen heute immer noch die gleichen wie gestern sind, aber auch, dass wir den Errungenschaften der Forschung nicht mit Geringschätzung gegenübertreten sollten.
Kunst und Pille: worum geht es?
Bisher erschienene 'Kunst und Pille-Themen'
Beispiel Mona Lisa
Home   Archiv

  Bisher erschienene 'Kunst und Pille' - Themen

Bechstein und das Märchenbuch
Boettger und das Meissen-Porellan
Goethe und der Ginkgo
     

Simonetta Vespucci, die Muse Botticelli (Tuberkulose in der Kunst)

Die Pest vom Altertum bis heute

Claudius Galenus, Arzt, Philosph und Lebenskünstler
     

Domenico Ghirlandaio und Rosazea

Raffaello und die Epilepsie

Carl Spitzweg: Apotheker und Maler
 
 

Avicenna Ibn Sina, Universalgelehrter aus dem arabisch- islamischen Raum, um 1000 n.C.

Lucas Cranach der Ältere, der grösste deutsche Maler der Renaissance

Henrik Ibsen, grosser norwegischer Schriftsteller und Dramatiker.
Hier ein weiteres kleines Beispiel:
Leonardo da Vincis "Mona Lisa"

Über sieben Millionen Augenpaare starren sie jährlich an, erfreuen sich an ihrer Schönheit und ihrem rätselhaften Lächeln - Leonardo da Vincis "Mona Lisa".

Doch nun hat die Idylle vielleicht ein Ende, denn jetzt wurde bekannt, dass an den Wänden des Pariser Louvre offenbar das Bildnis einer Schwerkranken hängt. In Öl gesetzt schmunzelt uns hier eine Todgeweihte an.

Das jedenfalls behauptet der belgische Medizinprofessor Jan Dequeker, der im scheinbar makellosen Antlitz der jungen Frau die Symptome einer schweren Stoffwechselkrankheit entdeckt haben will:

Er erkannte einen gelben Fleck in ihrem linken Augenwinkel als Xanthelasma, eine Anhäufung von Cholesterin unter der Haut, sowie eine Schwellung der rechten Hand als subkutanes Lipom und diagnostizierte Hyperlipidämie, eine erbliche Krankheit, die ein ernster Risikofaktor für eine Herzkrankheit ist und zu einem frühen Tod führt. Da Hyperlipidämie vererbt wird und andere Familienmitglieder deutlich länger lebten als Mona Lisa, gehen andere Quellen davon aus, dass anstelle von Hyperlipidämie eher Hypercholesterinämie in Frage kommt, weil dies mit einer normalen Lebensdauer vereinbar ist.

Und tatsächlich ist Leonardos Modell nur wenige Jahre nach ihrem Zusammentreffen mit dem Maler im Alter von nur 37 Jahren verstorben.

Drei Jahrzehnte durchforstete der Rheumatologe die Kunstgeschichte nach Krankheitssymptomen und in fast allen großen Museen dieser Welt wurde er fündig.

Über 200 seiner spektakulären Diagnosen präsentiert Jan Dequeker nun in einem 400 Seiten dicken und prächtig bebilderten Buch. "De kunstenaar en de doktor" ("Der Künstler und der Doktor") heisst das Werk und ist leider nur in flämischer Sprache erhältlich.

Home