Muskatnuss, Sassafras und Extasy

Inhalt
 
Ein Extasy aus der Natur?
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Muskatnuss

Verwendete Pflanzenteile
Geschichtliches, Handel
Muskatblüte, Macis
Vewendung
Muskatnuss: Rauschdroge?

 
 
Sassafras

Charakteristica
Inhaltsstoff Safrol
Root Beer

 
Ein Extasy aus der Natur?
 
Fast alle Arzneistoffe haben ihren Ursprung in einem natürlichen Stoff. Nicht anders ist es bei der berühmt-berüchtigten Partydroge Extasy: In unseren beiden Pflanzen des Monats sind die direkten Vorläufer-Substanzen (Myristicin und Safrol) dieser auch als MDMA bekannten Droge vorhanden.
   
 
Auch Nicht-Chemikern sticht die Verwandtheit der Inhaltsstoffe gleich ins Auge:
   
     
  Myristicin (Muskat) Extasy Safrol (Sassafras)    
 

Könnten sie also als legale Psychodrogen missbraucht werden?

   
 

Obwohl immer wieder versucht, muss dringend davon abgeraten werden, denn beide wirken bei übermässigen Mengen hochtoxisch (Muskatnuss) beziehungsweise krebserzeugend (Sassafras)!!

   
 
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Muskatnuss
(Myristica fragrans)
Verwendeter Pflanzenteil
 

Die Muskatnuss (Myristica fragrans) ist keine Nuss sondern der innere Kern (Keimling) einer aprikosenähnlichen Frucht des immergrünen, in Freiheit etwa 30 m hoch werdenden Muskatnussbaumes, welcher zur Kultivierung auf ca. 15 Meter Höhe gehalten wird. Der Muskatnussbaum wird durchschnittlich etwa 100 Jahre alt.

Die Muskatblüte ist der dazugehörige Arillus (Samenmantel), ein dünnes ledriges Gewebe zwischen dem Kern und dem Fruchtfleisch; sie ist bei der Ernte leuchtend rot oder purpur gefärbt, nimmt aber nach dem Trocknen eine dumpfere bernsteingelbe Färbung an

   
 

Zerbrochene, von Insekten und Pilzen befallene Nüsse werden im Handel als 'BWP-Ware' (broken, wormy, punky) bezeichnet; aus ihnen darf nur noch Muskatöl bzw. Muskatextrakt (Oleoresin)gewonnen werden. Manchmal gelangen sie trotzdem (gesetzeswidrig!) gemahlen in den Verkauf; wegen der Gefahr der Schimmelpilze (bilden Aflatoxin) auf den Muskatnüssen dieser minderwertigen Qualität sollt man daher keine gemahlenen Nüsse kaufen.

Das Fruchtfleisch der Muskatnuss ist hart, fast holzig und sehr sauer; in Indonesien wird daraus eine Marmelade mit Muskataroma zubereitet.

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  Geschichte der Muskatnuss
 

Gewürze aus exotischen Ländern spielten jahrtausendelang eine so bedeutende wirtschaftliche und politische Rolle wie heute das Erdöl.

Gewürznelken, Pfeffer und Muskatnüsse waren der Anlass für Kriege, Eroberungen und die Entdeckung neuer Erdteile.


Das Zuhause der Muskatnuss ist ursprünglich auf den Molukken und den Banda-Inseln, die im Osten Indonesiens liegen.


Die Molukkeninseln im indonesischen Archipel

Handel
 

Arabische Gewürzhändler brachten die Muskatnüsse und Blüten im 6. Jahrhundert mit Karawanen nach Alexandria, im 10. Jahrhundert kam sie dann nach Europa, jedoch erst im 16. Jahrhundert, als die Portugiesen den indischen Gewürzmarkt mit ihren großen Segelflotten erschlossen, wurde das Gewürz auch bei uns wirklich bekannt.

Im 16. Jahrhundert brachten exotische Gewürze im Vergleich zu heute 60-fache Profite - kein Wunder, dass sogar falsche Landkarten über die Lage der "Gewürzinseln" verbreitet wurden!

  Die Gewürzhändler hüteten ihr Wissen um die genaue geographische Lage der Inseln wie einen Schatz und konnten deshalb ihr Monopol fast vier Jahrhunderte aufrecht erhalten.
 

Als die Araber den besonderen Samen in Europa einführten, war Muskatnuss, ähnlich dem Pfeffer, ein rares Handelsgut und wurde mit Gold aufgewogen.

Vielleicht verführte die Seltenheit damalige Mediziner dazu, das Gewürz zu einem Wundermittel zu erklären. Eine Prise Muskatnuss sollte gegen praktisch alle erdenklichen Erkrankungen wirksam sein: So schworen führende Ärzte in London auf die Heilkraft der Muskatnuss bei Blutfluss oder Pest. Das gleiche galt für Alltägliches wie Husten. Wer sich den Luxus leisten konnte, dem wurde dann z. B. Glühwein mit einer Prise Muskatnuss verordnet. Als die Europäer im 15. Jahrhundert immer mehr Seewege in die tropischen Gewässer eroberten, blieben die Molukken trotzdem weiter unentdeckt. Ein Grund: Seefahrer, die zufällig auf die Muskatnuss-Inseln stiessen, konnten sie später wegen mangelnder geographischer Kenntnisse oder Navigationsschwierigkeiten nicht wiederfinden.

 

Weitere widrige Umstände machten den regelmässigen Handel unmöglich: Die Küsten waren von gefährlichen Riffen umgeben, an denen viele Schiffe zerschellten. Überlebende hatten wenig Chancen ihr Geheimwissen weiterzugeben, denn ihnen drohte beim Betreten der Inseln eine neue Gefahr: Sie wurden von Kopfjägern ermordet und zierten als begehrte Trophäen die Stammeshäuser der Ureinwohner.

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  Im Mittelalter wurden viele Getränke damit gewürzt, Bier, aber auch der germanische Met enthielten einen Hauch von Muskat. Auch gab es viele Gewürzweine, deren Basis häufig dieses sehr begehrte Muskataroma war.
 

Möglicherweise machten die Seeleute auf ihren langen Reisen zufällig eine wichtige Entdeckung: Geriebene Muskatnuss war ein gutes Konservierungsmittel. Es verzögerte in erheblichem Masse den natürlichen Verwesungsprozess durch Verlangsamung der Oxidation. Ausserdem hatte der Same noch einen weiteren Vorteil: Der charakteristische kräftig aromatische Geruch übertönte den Gestank verdorbener Lebensmittel, die häufig noch das einzig Essbare an Bord waren. Mit dem brennend-würzigen, später etwas bitteren Geschmack konnten die Seeleute die schlechte Kost besser verzehren.

Und nicht zuletzt waren sie die ersten, die Erfahrung mit der wohltuenden Wirkung des Samens auf den Magen-Darmtrakt machten: Geriebene Muskatnuss wirkt gegen Blähungen, Durchfall und Magenkrämpfe.

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  Muskatblüte (oder Macis)
 

Aber nicht nur die Nuss wird zur Würzung verwendet, sondern auch die Muskatblüte, Macis, bei der es sich um die faserige Schale der Nuss handelt.

Beide (Macis und Muskatnuss) haben einen warmen, aromatischen und etwas harzigen Geschmack. Nach dem Mahlen verliert Muskat rasch seinen Geschmack; daher reibt man die nötige Menge frisch vor Gebrauch von einer ganzen Nuss ab.

  Verwendung in der Küche
 

Die Muskatnuss duftet sehr fein aromatisch und schmeckt charakteristisch feurig-würzig und leicht bitter. Meistens wird die intensiv würzende Muskatnuss frisch gerieben, seltener schon fertig gemahlen den Speisen sparsam zugefügt. Sie eignet sich zum Würzen von Suppen, Saucen (Béchamel), Gemüse, Eier-, Fisch- und Fleischgerichten, Gebäck und vielen anderen Gerichten. Besonders Kartoffelstock und Rahmspinat, ebenso wie ein zünftiges Käsefondue benötigen eine Prise Muskat. Auch in Wurstgewürzmischungen ist Muskatnuss enthalten.

Durch Auspressen von Muskatnüssen gewinnt man die sogenannte Muskatnussbutter. Es handelt sich dabei um ein halbfestes, rotbraun gefärbtes fettes Öl mit intensivem Geruch und Geschmack nach Muskatnuss. Es kann als Ersatz für Kakaobutter verwendet werden, findet in Indien aber auch Verwendung als Kerzen, Zahnpasten, Seife und Parfum.

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  Verwendung in der traditionellen Heilkunst
  Die Muskatnuss wird vor allem noch in der indischen Heilkunst eingesetzt. Sie wirkt im Körper anregend und zusammenziehend und kann bei Blähungen und kleineren Magenbeschwerden helfen. Ausserdem gibt es in Indien eine Salbe aus Muskatnusspulver und Wasser, welche Ekzeme und Flechten lindert. In größeren Dosen, ab ca. 4 g, wirkt Muskat als Rauschmittel und ruft Halluzinationen und Vergiftungsmerkmale, wie Krämpfe hervor.
Sonstige Verwendung
 

Im Mittelalter sagte man der Muskatnuss sogar eine heilende Wirkung gegen Pest nach. Da die Muskatnuss antibakteriell wirkt, kann solche eine Wirkung nicht einmal völlig ausgeschlossen werden.

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Muskatnuss: Rauschdroge?
  Unter anderem ist der Wirkstoff Myristicin als psychoaktiver Bestandteil der Muskatnuss mit halluzinogenem Charakter bekannt. Bei der Einnahme beträchtlicher Mengen geriebener Muskatnuss (eine ganze Muskatnuss) wurden leichte Bewusstseinstörungen bis hin zu starken Halluzinationen beobachtet, die mit verändertem Raum- und Zeitgefühl, Euphorie, Benommenheit oder Sprachstörungen einhergehen können. Es wird dringend von der Einnahme grosser Mengen geriebener Muskatnuss abgeraten, da schwere Vergiftungen und/oder auch Psychosen ausgelöst werden können. Ausserdem kann es im Rausch zu Herzrasen, Magenschmerzen, Angstzuständen, Panikattacken, Übelkeit und Erbrechen kommen.
Darf ich mit Muskatnuss würzen, wenn Kleinkinder mitessen? Vergiftungsgefahr?
 

Der braune Gewürzkern aus den Tropen enthält Myristicin und Elmicin, die für den Geschmack, aber auch für die halluzinogene Wirkung des Gewürzes verantwortlich sind. Die halluzinogenen Wirkungen zeigen sich aber erst ab einer Dosis, bei der bereits lebensgefährliche Begleiterscheinungen auftreten. Bei Erwachsenen können schwere Vergiftungserscheinungen nach der Einnahme von 15 g geriebener Muskatnuss (3–4 Muskatnüssen) auftreten. Bei Kindern ist die Dosis erheblich geringer: Bekannt ist der Fall eines 8-jährigen Jungen, der nach dem versehentlichen Schlucken von zwei Muskatnüssen starb.

Wenn man also einen Kartoffelstock mit Muskat würzen, liegt die aufgenommene Menge pro Portion im Milligrammbereich. Das ist auch für ein Kleinkind absolut unbedenklich. Selbstverständlich sollten Kinder nicht mit den Gewürzkugeln spielen!

 
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Sassafras
(auch Fenchelholzbaum, Nelkenzimtbaum)

Der Sassafrasbaum ist das einzige Gewürz, das aus Nordamerika stammt. Weltweit wird dieses jedoch nur sehr wenig verwendet.

Die Blätter weisen einen schwachen, aber erfrischenden, zitronenähnlichen Geruch und ebensolchen Geschmack auf; beim Kauen fällt der hohe Schleimgehalt sofort auf.

Filèpulver ist ein wichtiger Bestandteil in der Küche der Creolen und Cajuns (=französich sprechende Einwanderer aus Kanada) im amerikanischen Bundesstaat Louisiana.

Eine Besonderheit des Sassafrasbaums ist, dass an einer Pflanze drei unterschiedliche Blattformen vorkommen können.

  Der Inhaltsstoff Safrol liefert einen Rohstoff zur Herstellung von MDMA (Extasy).
 
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In den meisten Ländern ausserhalb der Vereinigten Staaten betrachtet man Sassafras eher als Giftpflanze wegen seines hohen Gehaltes an Safrol, einer leberschädigenden und wahrscheinlich sogar krebserregenden Substanz.

Sassafrasblätter sind in Europa kaum zu bekommen.

   

In den USA wurde das ätherische Sassafrasöl (aus der Wurzel) nach Entfernung des Safrols auch zum Würzen eines Gebräus namens root beer benutzt.

Dabei handelt es sich um eine genuin US-amerikanische Erfindung aus dem 19. Jahrhundert: Das ursprüngliche root beer wird aus der Wurzelrinde des Sassafrasbaumes gewonnen. Wegen der Langzeit-Giftigkeit des Sassafras wird heute jedoch nur noch künstliches Sassafras-Aroma verwendet.

Heutzutage wird root beer gänzlich alkoholfrei hergestellt, indem man eine Mischung von Zucker und Pflanzenextrakten mit Sodawasser aufspritzt. Somit ist root beer eigentlich kein Bier, sondern ein soft drink. es hat einen sehr eigentümlichen, extrem süssen Geschmack

 
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by Isabelle Quinter